BarCamps

Mehr als nur BarCamp: das #bcrm18

Das BarCamp Rhein Main ist für mich so eine Sache. Auf der einen Seite ist das Rhein-Main Gebiet für mich natürlich Nostalgie. Hier lebte, liebte, wirkte, ich für ziemlich viele Monate, hier traf ich tolle Menschen, und hier wurde ich nach meinem Umzug nach Deutschland (cue den Immigrant Song) recht warm empfangen. Auf der anderen Seite bedeutet #bcrm18 auch die plötzliche Erkenntnis, dass ich nun sechs Stunden Zugfahrt weg wohne, und vielleicht bald noch einmal sechs Stunden dazukommen. Da wird man schon ein bisschen wehmütig.

Da half es ungemein, dass das BarCamp so ein großartiger Erfolg war. Wie ich in der Abschlussrunde schon sagte und (zu großem Flamen) auf Twitter: das BarCamp Rhein Main ist der Goldstandard. Warum?

Ein gutes BarCamp fängt (innerhalb der Einschränkungen die uns das toitsche(!jawohl!) Empfinden auferlegt), den Gedanken des ersten BarCamp ein. Menschlich, kein „Cult of Orga“, Zusammenarbeit aller Teilnehmer um die Venue und die Veranstaltung sauber zu halten, geniale kleine und große Überraschungen (mehr dazu gleich), und das Gefühl, dass man als Gruppe zusammen, in der Kommunikation, auf Augenhöhe, etwas erlebt und unternimmt.

Die Intro-Session (ohne Hash-Tags, schaut mal andere BarCamps, es geht ein super geiles, total familiäres, total menschliches, total schönes, BarCamp zu haben ohne dass man eine halbe Stunde auf „Mein Name ist X, ich komme aus Y und meine Hashtags sind A, äääääähmmmm B, und naja dann nehme ich halt noch C“ macht.) war kurz und knackig, Session-Planung gut durchdacht, und das Essen… das Essen war prima. 

Essen?

Als Vegetarier muss ich das auch mal sagen: das Weinen um’s Essen ist eine Schande. Ich bin Vegetarier und Diabetiker. Die letzte BarCamp Umfrage zeigte, dass etwa 2% sich als Veganer, 11% als Vegetarier ausgeben. Dem Rest ist es erstmal egal, hauptsache Essen. 

Das ist ein BarCamp. #mettgate oder nicht, wem was nicht passt, der kann sich selbst einbringen. BarCamp schlecht? Veranstalte dein eigenes. Orga doof? Bring dich ein. Sessions nicht gut? Mach‘ deine eigene. WiFi scheiße? Bring deinen eigenen Hub und SIM, und teile. Essen nicht gut? Mach‘ und bring dein eigenes. Ganz einfach und viel mehr „BarCamp Gedanke“ als sich darüber zu beschweren, dass es für 15 bis 30 Ocken für zwei Tage (mit denen oft auch noch dutzende andere Sachen bezahlt werden müssen, Versicherung ist auch nicht billig) keine hyperlokale, biodynamisch von kehlkopfsingenden selbstbestimmten Mönchen in einer Refugee Commune angebaute, Kost gibt. Allergiker? Veganer? Diabetiker? Bring deinen eigenen Scheiß. BarCamper sind eigentlich emotional und psychisch stabil genug, dass sie nicht über das Erzwingen der eigenen diätischen Weltvorstellung ihr angeknackstes Selbstwertgefühl verstärken müssten.  

Sessions

Das Schönste am BarCamp ist auch das Schlimmste: man hat so viele gute Sessions aus denen man es sich aussuchen kann. Und man hat so viele gute Sessions, dass man es sich aussuchen muss.

Nach der Quora-Session von Kerstin Ewelt war ich dann aber auch schon selbst dran. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen – wie wir uns selbst belügen, und warum das nicht schlecht ist.“ war das Thema. Eines von vielen Neuro- und Psychologie-Themen auf diesem Camp, was ziemlich cool ist, und vielleicht, ganz vielleicht, ein bisschen von mir angestoßen wurde. Meine Notizen dazu gibt es übrigens auf Notion.

Ich denke, dass die Session ganz gut angekommen ist.

Von Bienen zum Dating war dann den Rest des Tages noch alles dabei, die schönsten Erinnerungen habe ich aber, wie oft, vom Hallway Track. Neue Menschen kennenlernen, alte Bekanntschaften wieder aufleben lassen, und das allfällige „und, wie ist es Dir im letzten Jahr ergangen.“

Sonntag war Qualitätssonntag, wie immer, aber diesmal verdammt gut besucht. Da das BCRM dieses Jahr das zehnjähriges Jubiläum feiert, wurde ein Classic Track angeboten. Hier wurden tolle Sessions wie Mika’s „Dating FAQ für Geeks“ (ich habe am Sonntag meinen „Mikka“ Nametag mit ihrem „Mika“ ausgetauscht, hat kaum einer gemerkt) angeboten. Und dann halt, als Füller, mein 2016 „Zombies und Katzen“ Thema. 

Ich war nicht 100% dabei, und ich denke das hat man ein bisschen gemerkt. Gefühlt war die Session nicht so flüssig wie meine andere, was auch ein bisschen daran liegen könnte, dass ich eben \LaTeX und Beamer  unter Linux verwende, was leider in der R+V Akademie nicht im proprietären Anzeigesystem verwendet werden kann. Also musste ich schnell noch Windows auf einer Mini-Partition (danke gparted) installieren, die Präsentation konvertieren, und so anzeigen. Wer kauft denn heute noch ein Surface und installiert nicht zuerst Arch und i3? 🙂

Schlafmangel und die oben erwähnte Nostalgie waren auch nicht unbedingt zuträglich, aber BarCamps sind die perfekte Medizin gegen all die Wehwehchen die man sonst wirklich spüren würde.

Fazit

Auf der Heimfahrt war’s dann nochmal schnell Zeit für den BarCamp Blues. Ich werde Euch vermissen, Rhein-Main Posse, ihr rockt wirklich. Klar, in München ist’s super schön. Wir haben die Alpen, ich kann in 40 Minuten in Kufstein zum Kaffetrinken sein (schneller als ich von Friedrichsdorf in der Innenstadt war), und auf der Isar kann man surfen. Wir haben die besten Kneipen, geile Boazn, Bars, und Restaurants. Aber ihr, ihr fehlt mir hier. Danke, dass ich für ein Wochenende noch einmal Gast sein durfte.

Danke, liebe Orga, dass ihr eines der besten BarCamps meiner „Karriere“ auf BarCamps veranstaltet habt. Ich bin seit dem Ersten in Palo Alto dabei, habe das mit organisiert. Bei so manchem BarCamp rollen sich mir die Zehennägel ein bisschen hoch. Hier, an diesem Wochenende, war ich stolz und glücklich, den Namen den wir unserem kleinen Schindig damals gegeben haben, in einem würdigen Nachfolger zu sehen.

Danke an die Sessiongeber. Danke, dass im Großen und Ganzen #keinschwurbel immer mehr die Runde macht und einfließt. Danke für die schönen Hallway-Konversationen, danke für’s Essen und Catering, danke für die Kekse, und danke, danke, danke, an die R+V Akademie und all die anderen Sponsoren, die das möglich gemacht haben.

Kritik

So ein depperter Saublödsinn, ausgschmiger, zefix nochamol.

EINEN Kritikpunkt muss ich aber anbringen. Liebe HessenAgentur: seid ihr deppert? Was soll so ein Scheiß denn? Ein in Plastik verpacktes Novelty-Item, das kein Schwein braucht, keine Sau wirklich für nützlich hält, und das selbst aus Plastik gemacht ist? Wer braucht denn einen „Kekshalter für die Tasse“? Ehrlich? Das Ding ist nicht einmal groß genug um einen ordentlichen Keks zu halten, und die Kleinen Kekse verschwinden in der recht engen Tasche, dass man dann wühlen muss und den Kaffee verschüttet. Fazit: massive Mengen an Plastik ohne irgend einen erkenntlichen Nutzen, die dann in den Müll oder die Schublade wandern und für alle Ewigkeit den Planeten schlechter machen. Shame on you, Nachhaltigkeit ist keine Hippie-Hipster-Sache, und auf BarCamps kann man sich mit solcher Gedankenlosigkeit ganz schön das Klientel vergraulen.

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1 Comment

  • Reply
    jke
    28. November 2018 at 17:32

    Beim #bcrm17 waren die Jungs von der Hessen-Agentur mit einer Session am Start, bei der sie von ihrer Pressemitteilung berichtet hatten und dass sie davon wegkommen möchten, weil es eh niemand ließt. Während der Session buchte ich dann die Domain hessen365.de, weil: Occupy all empty space. Habe die Domain aber letztens gelöscht, weil mir die Zeit und die Lust fehlte. daraus etwas zu machen. Aber die könnten so vieles damit machen.

    Mit dem Kunststoffteil hätte man eine Design Thinking Session machen können: https://twitter.com/jke/status/1066697131812143107

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