Kurzstrecke Unterwegs

Heidelberg – Mannheim – Speyer, Kurztrip

Ich bin diesen Monat nicht zum Wandern gekommen. Arbeit, Freunde, und Familie sind eben manchmal doch wichtiger. Da ich aber am Freitag in Heidelberg sein will, dachte ich mir dass ich das Wochenende zu Fuß verbringen möchte.

Ein Pilgerweg ist es nicht, das steht fest. Stattdessen werde ich, erst immer am Neckar, dann am Rhein, laufen. Und statt den geplanten 120 Kilometern in drei Tagen halt nur 50 in zwei laufen. Das ist immer noch etwas Entspannung und ein Versuch, nicht aus der Übung zu kommen.

Fehlen wird’s mir schon, das Gefühl am dritten und vierten Tag aufzustehen und mich auf das Laufen zu freuen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der erste Tag so ein „Euphorie-Tag“ ist, da läuft man einfach, weil man sich freut, wieder auf den Beinen zu sein. Am zweiten Tag trägt einen noch die Vorfreude, und der dritte und vierte Tag sind dann die „kritischen“ Tage, an denen man sich schon einmal fragt, warum man das überhaupt macht. Aber das Überwinden genau dieser Fragen und dieses Gefühls, das ist es, was mir das Wandern so schön macht, und weshalb ich lieber Fernwandere, und das vier mal im Jahr, statt dreißig Tageswanderungen zu machen.

Meine alte Arbeitsstätte, das Psychologische Institut in Heidelberg

Ich wandere, weil es mir gut tut. Weil es, zumindest als Teil des Ganzen, meine Depression bekämpft, und weil es mir die Erfolge gibt, die mich für Wochen und Monate danach durch’s Leben treiben. Ich wandere, weil für jeden Schmerz, jede Enttäuschung, jedes böse Wort, welche das Gewimmel der Zeit auf uns wirft, zehn schöne Dinge unterwegs passieren. Ich wandere, weil meine Zeit mit mir, mir unheimlich wichtig ist.

Selten teile ich diese Zeit. Wenn ich es tue, dann mit Menschen denen ich vertraue, die ich liebe, und die ich so sehr in meinem Leben haben will, dass ich auch diesen Teil des Ganzen teilen möchte. Manchmal führt das zu Komplikationen und Schmerzen. Aber der Weg, der immer da ist, der mir auch später noch bleibt, der macht diese Dinge wieder wett. Das hört sich wie Schwurbel an, wie eine ganze Menge an billigen Lebensweisheiten, die eigentlich keiner braucht. Aber für mich, irgendwie, funktioniert’s. Zu Wandern, meinen Gedanken zu lauschen, das ist mein Zen, meine Meditation.

Wandern, das hört sich erstmal nach dem Sport der alten Menschen an. Nach etwas, das man macht wenn die Knochen nicht mehr auf dem Fußballfeld mögen oder wenn die Wampe beim Parcours im Weg ist. Das kann sein, aber für mich ist es immer wieder eine sportliche und geistige Herausforderung. Nicht wie das Schwimmen oder das Fitness Studio, sondern ganz anders, und nicht weniger schwer. Ich mag das Wandern, es macht mich glücklich, und das ist mehr oder weniger alles was zählt.

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