Mosel Camino Unterwegs

Der Mosel Camino: Ein Jakobsweg von Koblenz nach Trier, die Zusammenfassung

So, jetzt bin ich also fertig. Acht Tage „entlang“ der Mosel, von Koblenz-Stolzenfels nach Trier. „Entlang“ ist in Anführungsstrichen, weil der Mosel Camino (MC) eigentlich nicht wirklich dem Verlauf des Flusses folgt, sondern seine Windungen direkt, über die Hügel dazwischen, überquert.

Insgesamt waren es 184 Kilometer, 5000 Höhenmeter, acht Tage, und eine ganze Menge Weinberge, Reben, und absolut atemberaubende Aussichten, sowie einige schöne, romantische Abende.

Bevor wir aber in die Gesamtbesprechung kommen, ein Wort zum Zahltag: der Mosel Camino ist kein billiger Weitwanderweg. Zwar gibt es einige Pilgerherbergen auf dem Weg, doch führt er eben durch eines der großen Tourismusgebiete der Republik. Niederländer, Luxemburger, Amerikaner, und auch viele Deutsche machen hier gerne Urlaub, fahren mit dem Fahrrad an der Mosel entlang, oder genießen die Wein- und Ausflugslokale. Romantik hat eben ihren Preis.

Um das zu illustrieren, führe ich das Kilometerbuch zu Jakobswegen. Ich teile die Ausgaben des Weges (wobei ich meine eigene Entscheidung auch einmal in einem Hotel zu schlafen, wenn eine Herberge zur Verfügung stehen würde, abziehe und den Herbergspreis ansetze) durch die gelaufenen Kilometer. Dadurch ergibt sich ein „€ pro km“ Schüssel, der prima auch verwandt werden kann, wenn man sehen will, was für ein Teilstück man sich leisten kann.

€ pro KM

Der MC ist hier, mit etwas über 5€ pro Kilometer soweit der teuerste Camino auf meiner Liste. Das kann sich natürlich, über die Monate, noch ändern. Siehe auch unten in meinen Abschlussbemerkungen zu diesem Thema.

Die Pilgerschaft: Anstrengung, Ankommen, Verpflegung, und Aussichten

Ganz vorne weg: der Mosel Camino hat zwar ein paar saubere Höhenmeter, ist aber durchaus von (fast) jedem schaffbar. Manchmal zieht der Weg ziemlich steil an, das legt sich aber in allen Fällen nach ein paar Minuten wieder, Ruhe und Rast findet man überall, und die täglichen Entfernungen sind mehr als schaffbar.

Viele wunderschöne Aussichten.

Wenn man sich den Berg hinauf begeben hat, findet man oft wunderschöne Aussichten über die Mosel, das Moseltal, Weinberge, und kleine Dörfer. Das belohnt und macht Lust auf den nächsten Teil. Wer die Kosten klein halten will, der findet unterwegs viele romantische und ruhige Picknickplätze, Schutzhütten, und sogar den einen oder anderen Grillplatz. Wer das nicht mag, und lieber im Gasthaus isst, für den ist auch bestens gesorgt.

Beschildert ist der Weg perfekt. Verlaufen habe ich mich nie, auch wenn ich einmal dooferweise nicht geguckt habe, und ein paar Meter in die falsche Richtung gewandert bin. Das war aber mehr meine Blödheit als das Versagen der Beschilderung. Hut ab den Trail Angels und Paten, das ist eine super Leistung!

Empfangen wurden wir, sehr oft, sehr freundlich. Einige nicht so tolle Begegnungen kann man ganz klar einfach der menschlichen Natur zuschreiben. Wo, ob der vollen Gasthäuser und Hotels, kein billiges Bett mehr verfügbar war (selbst die Pilgerherberge Klickerterhof war voll mit Touristen ausgebucht und hatte keine Betten für Pilger mehr), haben sich immer super tolle Tourist Informations gefunden, die mit ganzer Kraft suchten und immer fündig wurden.

Highlights waren da einige: der amerikanische Vater, der ganz erfreut „look, kids, a Knight of St. James“ rief, als ich vorbei stapfte. Im Kloster Maria Engelport am Sonntag morgen ankommen, und herausfinden dass es hier jetzt Kaffee und Kuchen an Sonntagen gibt. Den allerersten Stempel des Ortes von der Stadtbürgermeisterin in Lasserg in den Pilgerpass gedrückt zu bekommen. Und die Aussicht auf Trier am letzten Tag.

Herbergen und Stempel

Herbergen gibt es drei am Mosel Camino: die „Alte Lateinschule“ in Traben-Trarbach, das schon erwähnte Klickerterhof, in welchem man (wenn es nicht ausgebucht ist) im Heu übernachten kann, und die Herberge in Klausen.

Die Klausener Herberge liegt ein bisschen komisch zwischen zwei Etappen. Entweder legt man einen Extratag ein, und läuft nur etwa zehn Kilometer, oder man läuft 35 Kilometer an einem der beiden Tage.

Stempel gibt es wirklich überall. Es lohnt sich total, in den Tourist Informations nachzufragen, auch die haben immer einen und kennen mehr Plätze. Die Dreifaltigkeits-Wallfahrtskirche am ersten Tag, kurz vor Alken, hat einen Stempel ausliegen, die Kirche in Trier-Biewer (St. Matthias) tut es ihr gleich. Auch sonst haben viele Cafes und Hotels einen.

Seltenes Selfie, Mann mit Muscheln. An der Wallfahrtskirche am ersten Tag. Hier gibt’s auch einen Stempel.

Pastoren habe ich in den acht Tagen keine gesehen. Die waren immer „gerade nicht da“, was auch dazu geführt hat, dass ich viele Kirchenstempel verpasst habe. Wer einen bestimmten Stempel einer Kirche will, der sollte dort Montag bis Donnerstag vor 11 Uhr morgens ankommen. Danach ist überall Schicht im Schacht.

Den ersten Stempel gibt’s in Koblenz-Stolzenfels im Kreisbüro. Dort kann man Montags bis Freitags morgens 9 bis 11, und am Donnerstag Abend 6 bis 8 jemanden antreffen. Da das Schloss Stolzenfels erst ab elf Uhr auf macht ist das als erster Stempel für die Meisten eher ungeeignet, besonders wenn man in guter Zeit in Alken ankommen will und nicht den ganzen Morgen mit Warten vertrödeln.

Kein Stempel, aber nicht zu vergessen: hinter Hatzenport geht es ein bisschen den Berg hinauf. Davor steht auf der linken Seite, an einem Zaun der mit Jakobsmuscheln geschmückt ist, sehr oft ein „Pilgertropfen“, eine Idee der Anwohnerin als Spaß für die Pilger.

Sehenswürdiges

Die Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg hat ein Pilgerbuch und einen Stempel (erster Tag). Hier unbedingt anhalten und den Pilgerstein ansehen. Danach geht es nur noch einmal steil den Berg hinunter und die erste Etappe ist geschafft, also die Ruhepause nutzen.

Die Burg Eltz (2. Tag) ist es nur wert, wenn man unter der Woche und bei wenig Besuch ankommt. Am Wochenende ist das Ding so überlaufen, man kann mit Rucksack da kaum durch. Auch: Vorsicht, an dem Abstieg zur Burg kommen einem Busse entgegen, die im Fünfminutentakt Besucher von und zu den Parkplätzen fahren.

Am dritten Tag empfiehlt es sich, diesen an einem Sonntag zu machen. Nicht nur weil man dann am Donnerstag Abend in Koblenz-Stolzenfels ankommt und dort einen Stempel bekommen kann, sondern auch weil das Cafe im Kloster Maria Engelport nur am Sonntag geöffnet ist. Lohnt sich voll, die Schwestern sind am Sonntag bis Mittag sowieso beschäftigt, also Kaffee dort trinken, dann Stempel abholen.

An diesem Tag gibt es auch die Möglichkeit in Beilstein, einem wunderschönen Ort, etwas zu verweilen und die letzten Kilometer nach Bullay statt zu Fuß mit dem Schiff (14€) zurück zu legen. Wer sich etwas entspannen will und für den nächsten, härteren, Tag etwas Energie tanken, der sollte sich vorher informieren, wann Boote fahren.

Schließlich empfiehlt es sich extremst, am letzten Tag im Gasthaus Crames einzukehren. Nicht nur gibt es hier einen Stempel, das Essen ist umwerfend gut (es gibt sogar Fleisch-Spezialitäten wie Mangalitsa oder sehr gutes Pulled Pork) und die Menschen sehr freundlich.

Gedanken

Es sollte eine Regel geben, dass sich kein Weg „Jakobsweg“ nennen darf, wenn es nicht zuverlässig Unterkünfte für unter 30€ pro Person am Weg gibt. Die Kosten in Ortschaften ohne Pilgerherberge sind oft sehr hoch, selbst unter der Woche war es schwer, Betten für unter 70€/Person im Einzelzimmer oder 50€/Person im Doppelzimmer zu finden.

Wenn man von den Kosten absieht, dann ist dies jedoch einer der schönsten und definitiv der am besten markierte Jakobsweg in Deutschland. Ja, es geht ab und an mal steil hinauf, aber die Wege sind von Jedermann schaffbar. Selbst Camino-Anfänger können hier den Weg genießen und viel aus der Zeit schöpfen.

Die Aussichten sind oft wunderbar und atemberaubend. Kleine, romantische, Ortschaften und sehr gut besuchte Tourismus-Zentren lösen sich ab, am Tag hat man aber in den Wäldern und auf den Feldern seine Ruhe. Möglichkeiten zur Rast gibt es oft, Kapellen und Kirchen auch, und die Menschen sind, fast ausschließlich, sehr freundlich und hilfsbereit. Jakobspilger sind bekannt und geschätzt.

Ich kann den Mosel Camino wirklich nur empfehlen. Ganz ehrlich, Top 3 meiner deutschen Camino Erfahrungen, wäre Nummer Eins wenn die Kosten nicht wären.

In ein paar Wochen geht es im herbstlichen Schwaben von Ulm nach Konstanz. Da freue ich mich schon, aber bis dahin… Ultreia et Suseia!

Das könnte Dir auch gefallen:

No Comments

    Einen Kommentar schreiben

    Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.