Mosel Camino

Der Mosel Camino, Tag 6: von Traben-Trarbach nach Kesten

Vielleicht ist es der Wein, vielleicht die romantische Gegend, oder eine Kombination der Beiden. Vielleicht habe ich auch nur eine dreckige Fantasie. Wenn man aber von der Liebesschlucht über den Bummkopf zum Seitensprung wandert, und dann einen Höhepunkt erreicht, dann gibt’s da schon etwas Gekichere.

Bernkastel-Kues ist die Heimat des größten Weinfestes der Region. Ein bisschen wie das Oktoberfest, nur dass Gäste hier in die Mosel tun, was sie in München auf der Wiese neben der Wiesn machen. Das haben wir zum Glück nicht mitbekommen, die Stände sind noch im Aufbau, die Menschenmassen noch in den teuren Hotels. Wir beschließen eine schnelle Mittagspause einzulegen. Das „Biker’s Inn“ hat nicht nur einen Deppenapostroph sondern auch Apfelstrudel von geklauten Äpfeln, also ist das unsere Wahl.

Die Bedienung ist unfreundlich, Hostilitäten statt Hospitalität, was sich im Laufe des Essens als Stress über das kommende Weinfest herausstellt. Immerhin führt es dazu, dass wir schnell wieder aufbrechen und unseren Weg nach Kesten fortsetzen.

Über die Brücke, siebte Moselüberquerung, geht es an den Moseluferweg, welchen wir bis an unser Ziel nicht verlassen werden. Eigentlich sollte der Jakobsweg nach etwa fünf Kilometern zurück in die Weinberge abzweigen, aber da wir in Kesten an der Mosel und nicht in Monzel am Jakobsweg schlafen müssen, bietet es sich an, nicht erst in die Hügel zu klettern um dann wieder an die Mosel heruntersteigen zu müssen.

Hinter Brauneberg finden wir die römische Kelteranlagen. Vor 1700 Jahren haben hier römische Soldaten im Auftrag der Regierung Wein hergestellt. Eine der vier Anlagen wurde erhalten und wieder in einen operablen Zustand gebracht, die anderen drei fielen der Expansion lokaler Weingüter zum Opfer.

Die östliche Kelteranlage.

Nach einer kurzen Pause in der („Zutritt verboten“) Anlage des Angelvereins und ein bisschen „jöööööö“ über die neugeborenen Zicklein nebenan geht es dann, weil Moselufer, immer noch sehr flach bis Kesten. Ein einfacherer Tag mit schönen Aussichten, viel Wein, und dem glücklichen Gefühl dem Gewimmel des Weinfestes in Bernkastel-Kues entgangen zu sein, bevor es wirklich begann.

Der Tag klingt in einer Straußwirtschaft in Kesten aus. Da auch diese Vermieterin keine Kreditkarten nimmt, und es keine Bank in der Ortschaft gibt, werde ich morgen zurück nach Monzel gefahren und spare mir einen Aufstieg zurück zum Jakobsweg.

Das könnte Dir auch gefallen:

1 Comment

Einen Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.