Mosel Camino

Mosel Camino, Tag 5: von Bullay nach Traben-Trarbach

Die großen Lügen der Menschheit: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“; „I did not have sexual relations with that woman“ und „steigt der Weg sanft an…“

Je weniger man von Bullay erzählt, desto besser. Eine typische Kleinstadt, in der am Sonntag auch die Cafes und Kneipen geschlossen haben, und niemand Kreditkarten nimmt. Bei Kreditkarten in Deutschland prallen zwei Welten aufeinander: der Komfort des Zahlers und die Kosten für den Bezahlten. Im Umfeld sind da natürlich auch noch Ängste um den Datenschutz und darum, die Gute Alte Zeit der Barzahlung zu verlieren.

Bullay ist ein „gute alte Zeit“ Dorf. Immerhin hat es eine Volksbank, deren Automat aber ständig leer ist, weil eben niemand Kreditkarten akzeptiert.

Nach Bullay geht es erst flach an der Mosel entlang, bis nach Zell. Zell ist eine schöne, wenn auch ein bisschen touristische, Stadt. Christine’s Zug kam erst um Zehn, also essen wir schnell etwas zu Mittag, Winzertorte und Zwiebelkuchen (lecker!), holen uns einen Stempel in der Zeller Tourist Information, nachdem wir in den Kirchen abgeblitzt sind, und ziehen weiter.

Der „sanfte“ Anstieg hinter Zell entpuppt sich als schweißtreibender Aufstieg durch Brennesseln und Brombeeren. Selbst das Fußbad, welches Linderung hätte spenden können, ist von den Dingern überwachsen. Also weiter rauf den Hügel bis, nach 400 Höhenmetern, eine wunderbare Aussicht auf uns wartet.

Kaum hat man sich an die Aussicht gewöhnt, und fühlt sich schon fast ein bisschen für die Anstrengungen belohnt, geht es wieder in den Wald, auf die andere Seite der Moselschleife. Dort bietet der Abstieg nach Enkirch noch einmal Ausblicke und lässt das Herz ein bisschen höher schlagen.

Enkirch ist Bullay’s kleiner Nachbar im Geiste. Restaurants und Beizen sind am Montag geschlossen, nur ein Getränkemarkt hat, barmherziger weise, offen. Gut, ne Flasche Cola Light ist besser als gar nichts, und wir waschen damit halt die mitgebrachten Proteinriegel an der Mosel herunter bevor wir uns auf den Weg nach Traben-Trarbach machen.

In Enkirch gibt es einen Campingplaz an der Mosel. Dort parken heute Fernreisemobile, massive Wohnmobile, wüstentauglich, für ein Treffen. Wir sitzen mit einem Paar aus dem Ruhrpott, essen und trinken, starren auf die Mosel, und das Fernweh packt mich ganz schön. Hier bin ich, Pilger, Kilometerjunkie, Wanderer, Rucksackmensch, und die Dieselmotoren der Mobile hinter mir riechen nach Abenteuer und Wüstensand, nach mit geliebten Menschen die Welt bereisen, nach Neuem erleben. Es dauert einige Minuten bis ich wieder runter komme, bis ich wieder weiß, dass ich ja auch so, meine Welt neu erlebe. 

Das Park Hotel in Traben-Trarbach hat als Einziges noch Zimmer. 105 Euros sind zwar ein stolzer Preis, nicht kompatibel mit dem Pilgerleben, aber was soll man machen. Morgen ist Weinfest in Bernkastel-Kues, 300’000 Menschen werden erwartet, und die Hotels und Hostels sind ausgebucht. Immerhin hat die Pilgerherberge, angeblich eine der Besten in Deutschland, noch Platz. Ich habe bei weitem noch nicht alle gesehen, aber was man so hört könnte das wirklich der Fall sein.

Wir lassen den Tag mit einer Flasche guten Rotweines und nettem Essen auf der Terrasse ausklingen. Morgen geht’s nach Kesten, etwas ab vom Jakobsweg, weil in Monzel auch kein Platz mehr war. Immerhin können wir uns den Aufbau zum Weinfest in Bernkastel-Kues anschauen, wenn wir durchkommen.

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